forum Maßnahmen gegen Talentflucht

Einführung in das Thema

Hinweis: Hier gibt es das Handbuch zum Gremium

1. Einleitung

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen westlichen Staaten wird immer wieder über ein Einwanderungsgesetz diskutiert, um eine vermeintlich geordnete Zuwanderung zu ermöglichen. Als Vorbild wird häufig das kanadische Einwanderungsgesetz genannt, das Migrant*innen nach einem Punktesystem annimmt und ablehnt. Wer gut ausgebildet ist oder eine Ausbildung in einem Sektor hat, in dem ein Fachkräftemangel vorherrscht, hat gute Chancen. Doch genau diese Regeln und Vorstellungen fördern ein System, das zu einem kontinuierlichen Wissens- und Fachkräfteschwund in Entwicklungsländern führt: die Talentflucht.

Talentflucht, auch Talentabwanderung (Englisch: Brain Drain) genannt, bezeichnet im Allgemeinen die Abwanderung von Fachkräften aus Wirtschaftssektoren wie z.B. Wissenschaft und Technologie, aber auch dem Bildungsbereich oder dem Gesundheitssektor, wodurch negative Folgen für die Herkunftsländer der Emigrant*innen entstehen. Der Begriff Talentflucht wurde ursprünglich von der British Royal Society verwendet, um die Abwanderung von europäischen Forscher*innen in die USA in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg bis in die 1960er-Jahre zu beschreiben. Auch wenn sich die Migrationsströme seitdem deutlich verschoben haben, beschreibt der Begriff immer noch die gleiche Dynamik: Hoch qualifizierte Arbeitskräfte wandern aus ihrem Heimatstaat, meist einem Entwicklungsland, aus und leben und arbeiten stattdessen in einem anderen Staat, meist einem Industriestaat.

Talentflucht geht dabei nicht nur mit einem Wissensschwund in den Herkunftsländern, sondern auch mit einem Verlust von Steuereinnahmen und einem beeinträchtigten Entwicklungspotential für das Herkunftsland einher. Diese Faktoren hemmen eine mögliche wirtschaftliche Entwicklung und die Anreicherung von Wohlstand in den Herkunftsländern enorm oder bremsen die Entwicklung sogar vollständig aus.

 

2. Hintergrund und Grundsätzliches

Migration ist in den meisten Fällen eine individuelle Entscheidung, den Lebensort zu wechseln, in der Regel auf der Suche nach besseren Lebensstandards. Dabei spielen klassische Fluchtursachen wie Menschenrechtsverletzungen oder Krieg eine Rolle, aber auch Gründe wie bessere Löhne oder Arbeitsbedingungen sind entscheidend für die Abwanderung. Wenn Menschen nur vorübergehend das Land wechseln und dann wieder zurückkehren, bezeichnet man dies als befristete Migration. Ein größerer Teil der Auswander*innen wechselt den Wohnort aber für immer, was permanente Migration genannt wird. Bei internationaler Migration ist zu beobachten, dass Menschen oft lediglich in ihre  Nachbarländer ziehen und hoffen, dort bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen vorzufinden. Darüber hinaus ist überwiegend eine Abwanderung aus dem globalen Süden in den globalen Norden, also aus Entwicklungs- oder Schwellenländern in Industriestaaten, zu beobachten. Auch innerhalb eines Landes kann es zu einer Talentflucht kommen, zum Beispiel vom Land in die Städte.

Der zeitliche Beginn einer Auswanderung lässt sich oft schon in einem sehr frühen Stadium einer individuellen Entwicklung festmachen. Wenn junge Menschen unzufrieden mit den Bildungschancen sind, die sie in ihrem eigenen Land sehen, entscheiden sie sich nicht selten für ein Studium oder eine Ausbildung im Ausland. Zum Beispiel kann es sein, dass der von ihnen gewünschte Abschluss im eigenen Land nicht erreicht werden kann oder dass sie ein international besser anerkanntes Studium absolvieren möchten. Nach dem Studium kehren dann zwar viele wieder zurück in ihr Heimatland; ein nicht unerheblicher Teil bleibt aber oft in dem Land, in dem er*sie das Studium gemacht hat.

Außer zum Studium verlassen Akademiker*innen und Hochqualifizierte auch zu späteren Lebenszeitpunkten  ihr Heimatland, meistens wegen besserer beruflicher Perspektiven. Ein wichtiger Grund für die Abwanderung ist in diesem Zusammenhang das Arbeitsumfeld. Gerade in der Wissenschaft sind sowohl die finanziellen Voraussetzungen als auch der Austausch mit Kolleg*innen in Industriestaaten ein Anreiz. In diesem Kontext muss man sich bewusst sein, dass vor allem die Eliten eines weniger entwickelten Landes die Möglichkeit haben, abzuwandern, da nur sie zuvor vom Zugang zu Bildung und Ausbildung im eigenen Land profitiert haben.

Darüber hinaus gibt es auch zahlreiche Migrant*innen, die durch eine Anstellung im wohlhabenden Ausland ihre Familien in der Heimat finanzieren, da sie im Heimatland keine Möglichkeit dazu hatten und ihnen schlichtweg keine andere Wahl geblieben ist, als auszuwandern, um die Lebensgrundlage ihrer Familie zu sichern. So können sie zwar das Überleben ihrer Familie sichern, die das erwirtschaftete Geld zumindest in dem Herkunftsland ausgibt; ihr Wissen und ihre Arbeitskraft nutzen aber nur dem Land, in dem die Migrant*innen arbeiten.

Die Arbeitskräfte und ihre Fähigkeiten werden in diesem Kontext oft als Humankapital bezeichnet, das die Gesamtheit der wirtschaftlich verwertbaren Fähigkeiten und Kenntnisse von Bevölkerungsgruppen darstellt. Es entsteht also eine ständige Verschiebung des Humankapitals aus Ländern mit geringem Entwicklungsstand in solche mit höherem Entwicklungsstand.

Aus dieser Verschiebung ergeben sich zahlreiche, meist negative Auswirkungen für die Herkunftsländer, die in direkte und indirekte Folgen unterschieden werden können. Die Abwanderung von gut ausgebildeten Arbeitskräften kann zu direkten Engpässen in spezifischen Branchen führen, sodass zum Beispiel die Abwanderung von medizinischem Fachpersonal zu einer Knappheit im eigenen Gesundheitssystem führt. Talentflucht fördert folglich auf eine direkte Art einen Fachkräftemangel in dem Herkunftsstaat und löst einen Versorgungsengpass bezüglich Krankenhäusern und Ärzt*innen aus.

Indirekte Folgen betreffen vor allem die wirtschaftliche Entwicklung und den Bildungsstandard. Wenn ständig gut ausgebildete Fachkräfte das Land verlassen, können ihr Wissen und ihre Arbeitskraft nicht für die Entwicklung ihres Heimatlandes genutzt werden. Dies betrifft beinahe alle Entwicklungs- und Wirtschaftssektoren, angefangen bei Industrie und Technologie, über die Errichtung von Schulen und Universitäten sowie die Weitergabe von Wissen in Ausbildungsbetrieben bis hin zum Bau von sanitären Anlagen und der bereits angesprochenen Gesundheitsversorgung.

 

3. Aktuelles

Im Zuge der Globalisierung steigert sich auch in den entlegensten Orten der Welt die Mobilität und der Zugang zu Informationen. Mehr Menschen können sich also über Arbeitsbedingungen in anderen Ländern informieren und die Mittel, Arbeit im Ausland wahrzunehmen, werden zugänglicher.

Auch wenn Talentflucht weder ein neues Phänomen noch ein gelöstes Problem ist, gab es im letzten Jahrzehnt wenig internationale Aufmerksamkeit für dieses Thema. Unter dem Generalsekretär Kofi Annan hatte das Thema noch größere Relevanz, ist aber seit dem Abschluss der Weltkommission für globale Migration 2005 nur vereinzelt aufgetaucht. Im Zuge des UN-Migrationspakts (Globaler Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration, 2018) wurde das Thema wieder aufgegriffen und ist vermehrt in den Fokus von Entwicklungshilfe geraten. In Ziel 2 des Paktes wird die “Minimierung nachteiliger Triebkräfte und struktureller Faktoren, die Menschen dazu bewegen, ihre Herkunftsländer zu verlassen” als Ziel festgehalten und besonderes Augenmerk auf einen positiven Einfluss auf Herkunftsländer gelegt.

Auch die Forschung tendiert aktuell stark zur konstruktiven Gestaltung von Migration, sodass größtmöglicher Mehrwert für alle Beteiligten entsteht. Ein Modell, welches dabei besonders herausgestellt werden kann, ist die zirkuläre Migration und die damit einhergehende Talentzuwanderung (Englisch: Brain Gain). Zirkuläre Migration bedeutet, dass Personen für kurze oder längere Aufenthalte in ein wirtschaftlich stärkeres Land reisen, um sich dort auszubilden oder zu arbeiten und anschließend wieder heimzukehren. Dabei kann es sich um ein ständiges Wiederkehren, wie zum Beispiel saisonale Arbeit in der Landwirtschaft handeln, aber auch um längere Zeiträume wie Jahre oder Jahrzehnte. 

Um zu verstehen, warum zirkuläre Migration sinnvoll sein kann und wie sich diese möglichst effektiv gestalten lässt, muss man verstehen, auf welchen Wegen Herkunftsländer überhaupt von Emigration profitieren. Die wirtschaftlichen Vorteile für die Herkunftsländer lassen sich in direkte und indirekte Faktoren aufteilen. Arbeitskräfte, die Geld aus dem Industriestaat nach Hause zur Familie schicken, können das Heimatland auf diese Art an dem Profit teilhaben lassen. Durch die Ausgaben ihrer Familien investieren die Menschen damit direkt zurück in das Heimatland und ermöglichen im Idealfall zurückgelassenen Familienmitgliedern ein besseres Leben. Einen noch größeren Wirtschaftsaufschwung erzielen die Herkunftsländer jedoch indirekt durch die Rückkehr der nun aus- oder weitergebildeten Arbeitskräfte, die eine höhere Qualifikation aufweisen als bei ihrer Abwanderung.

Zu zirkulärer Migration gibt es aktuell noch wenig Daten auf globaler Ebene. Fest steht allerdings, dass auch zirkuläre Migration eine individuelle Entscheidung eines Menschen ist, die sich mit gesetzlichen Entscheidungen der Herkunfts- und Aufnahmestaaten beeinflussen lässt. Damit zirkuläre Migration gelingen kann, benötigt es eine offene Migrationspolitik, die Individuen dazu befähigt, sich in dem Arbeitsland zu bewegen, sich weiterzuentwickeln und ins Heimatland zurückzukehren, ohne die Erlaubnis zu verlieren, wieder in das Arbeitsland einzureisen.

 

4. Probleme und Lösungsansätze

Vor allem beim Thema Migration tut sich ein grundsätzlicher Interessenkonflikt zwischen Aufnahmestaaten und Herkunftsstaaten auf. Industriestaaten möchten häufig nur hochqualifizierte Arbeitskräfte aufnehmen, die die eigene Wirtschaft fördern und Lücken im Arbeitsmarkt schließen. Entwicklungsländer möchten hingegen qualifizierte Arbeitskräfte im Land behalten und zurückgewinnen, um ihrerseits daraus ihren Vorteil für Wirtschaft und Entwicklung zu ziehen. Langfristig betrachtet haben Industriestaaten zwar auch ein Interesse an der Entwicklung von anderen Staaten, zunächst überwiegt jedoch meist der unmittelbare Vorteil. Wenn sich Industriestaaten nicht bewusst für faire Vereinbarungen mit Entwicklungsländern einsetzen, die beiden Vertragspartnern Vorteile verschaffen, sind die Entwicklungsländer häufig machtlos.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, welche Wege sich finden lassen, um die negativen Effekte der Talentflucht abzuschwächen. Denn die Migration einzuschränken ist weder technisch machbar noch würde dies den Beteiligten, ob Mensch, Herkunfts- oder Aufnahmestaat, Vorteile bringen. Ein Lösungsansatz wäre die Verbesserung der Voraussetzungen für zirkuläre Migration. Die Herkunftsstaaten sollen in diesem Modell vor allem befristete Migration fördern und die bestehenden Hindernisse dafür abbauen.

Um die Situation zu verbessern, muss es den Herkunftsländern zudem besser möglich sein, das Potential der emigrierten Fachkräfte zu nutzen. Dies kann etwa durch Reintegrationsmaßnahmen geschehen, also durch den Versuch, befristet Migrierte wieder optimal in die eigene Wirtschaft zu integrieren. Ein weiterer Schritt wäre die Erleichterung der Rückkehr Hochqualifizierter in ihr Herkunftsland. Hierbei geht es vor allem darum, Anreize zu geben und den nötigen bürokratischen Aufwand möglichst gering zu halten.
Die Erleichterung von Rücküberweisungen aus dem Ausland wäre ein zusätzlicher Schritt, um von ausgewanderten Fachkräften zu profitieren. So könnte leichter Geld in das Herkunftsland zurückfließen. Durch gezielte Bildungspolitik könnten außerdem die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Heimatland so verbessert werden, dass die Attraktivität auch für Hochqualifizierte steigt.

Darüber hinaus wird die Debatte oft von den wirtschaftlichen Interessen der Aufnahmeländer bestimmt. Durch gezielte Migrationspolitik betreiben die Aufnahmestaaten häufig nur eine selektive Aufnahme von Humankapital, das ihrer Wirtschaft hilft, anstatt durch die Ermöglichung zirkulärer Migration positive Effekte für beide Länder zu fördern. Bei der abstrakten Debatte über Humankapital ist dabei nicht zu vergessen, dass es letztlich um Menschen geht. So bieten z.B. doppelte Staatsbürgerschaften und mehr Personenfreizügigkeit höhere Sicherheit für die Individuen, sich frei für zirkuläre Migration zu entscheiden.

Neben den direkten Problemen der Talentflucht, also den Entwicklungshemmnissen für Staaten, gibt es viele wissenschaftliche Probleme, die bei der Einschätzung und dem Umgang mit der Talentflucht eine Rolle spielen. Zunächst ist es sehr schwierig, an zuverlässige Daten zu kommen und diese auszuwerten. In vielen Ländern lässt sich einigermaßen überblicken, wie viele Menschen ein- und auswandern, aber die Einschätzung des Bildungsgrades der Emigrant*innen ist deutlich schwieriger. Noch komplexer wird es, wenn es darum geht, aus den Daten Handlungsempfehlungen abzuleiten. Auskunft über die Motivation der Emigration im Kontext von Trends oder Ereignissen, aber auch die tatsächlichen Einflüsse auf die Entwicklung der hochqualifizierten Emigrant*innen sind bisher kaum erhoben. Eine bessere Datenlage wäre sicherlich von Vorteil.

Ein weiteres Problem im Kontext der Migration ist die Integration. Jeder Wohnortwechsel fordert ein neues Einspielen auf soziale aber auch wirtschaftliche Umfelder. Integrative Maßnahmen unterliegen zwar in den meisten Fällen den innenpolitischen Strukturen eines Landes; trotzdem gibt es ein globales Interesse an guter Integration. Je reibungsloser dieser Wechsel in ein neues soziales Umfeld stattfindet, desto größer die mögliche Wertschöpfung für das Individuum und den neuen Wohnort. 

 

5. Punkte zur Diskussion

In der Debatte um Maßnahmen gegen Talentflucht müssen Antworten gefunden werden, die sowohl Herkunftsländer als auch Aufnahmeländer mittragen können und die darauf abzielen, die Situation der Menschen als Individuen zu verbessern. Folgende Fragen spielen in diesem Kontext eine Rolle:

  • Wie sollten die Vereinten Nationen dem Thema Talentflucht zukünftig begegnen? Wo muss angesetzt werden: Sollten die Ursachen in den Entwicklungsländern mit mehr Anstrengungen bekämpft werden oder sollte man versuchen, die möglichen positiven Folgen der Talentflucht zu fördern?

  • Wie sollte mit zirkulärer Migration umgegangen werden? Wie lässt sich zirkuläre Migration positiv gestalten und ausweiten? Ist die Ausweitung wünschenswert?

  • Wie kann die Integration von Migrant*innen, aber auch die Reintegration von Rückkehrer*innen stattfinden? Welche zwischenstaatlichen Regelungen könnten getroffen werden, die die Einbindung in allen beteiligten Staaten verbessert?

  • Die Vereinten Nationen sind der entscheidende Akteur beim Thema Entwicklungshilfe. Welche Maßnahmen können oder sollen ergriffen werden, um Entwicklungsländer vor einer Abwanderung ihrer Fachkräfte zu schützen oder dafür zu entschädigen?

  • Sollten Maßnahmen gefördert werden, um Fachkräfte und ihre Familien in ärmeren Staaten zu halten oder nach einem Auslandsaufenthalt zur Rückkehr zu bewegen? Wenn ja, in welche Maßnahmen sollte investiert werden? Kann mehr in Bildung als Schlüssel für erfolgreiche Entwicklung investiert werden?

  • Wie lassen sich mehr Daten zum Thema der Arbeitsmigration sammeln und wie können daraus Handlungsempfehlungen resultieren?

 

6. Lexikon

Entwicklungsland: Nach dem Wirtschaftslexikon Gabler ein Staat, der im Vergleich zu Industrieländern einen Entwicklungsrückstand aufweist, indem einerseits das erzielte Wohlfahrtsniveau, also der gesamtgesellschaftliche Wohlstand, niedrig ist und andererseits die Funktionsfähigkeit des Wirtschaftssystems im Hinblick auf die Erzeugung wohlfahrtsrelevanter Leistungen (bezahlte Dienstleistungen, Güter, etc.) mangelhaft ist.

Globaler Süden (globaler Norden): Eine von der Weltbank eingeführte Definition, die versucht, eine wertfreie Einteilung von benachteiligten und privilegierten Staaten vorzunehmen. Den Ländern des Globalen Südens werden dabei die Entwicklungs- und Schwellenländer, dem Globalen Norden die Industriestaaten zugeordnet.

Globalisierung: Nach IKUD die zunehmende weltweite Vernetzung von Nationen in allen Bereichen (z. B. Politik, Wirtschaft, Kommunikation und Kultur). Dies geschieht sowohl zwischen Individuen als auch zwischen Organisationen, Unternehmen, Gesellschaften und Staaten.

Humankapital: Nach dem Wirtschaftslexikon Gabler das auf Ausbildung und Erziehung beruhende Leistungspotenzial der Arbeitskräfte (Arbeitsvermögen). Der Begriff Humankapital erklärt sich aus den zur Ausbildung dieser Fähigkeiten hohen finanziellen Aufwendungen und der damit geschaffenen Ertragskraft, also dem für die Wirtschaft oder Gesellschaft aus den Fähigkeiten einer Person erzielten Ertrag.

Industriestaat: Nach dem Wirtschaftslexikon Gabler ein Staat, dessen Arbeitsbevölkerung zum größten Teil im Handwerk, im Gewerbe, v.a. aber in der Industrie beschäftigt ist.

Migration: Nach dem Wirtschaftslexikon Gabler Wanderungsbewegungen von Menschen (Arbeitskräften) zwischen Staaten oder innerhalb eines Staates (Binnenwanderung), die zu einem längerfristigen oder dauernden Wechsel des ständigen Aufenthaltsortes der daran beteiligten Personen führen. Häufig wird sie durch politische, soziale oder wirtschaftliche Not der sogenannten Migrant*innen hervorgerufen. 

Personenfreizügigkeit: Das freie Bewegen von Arbeitskräften über Grenzen und Gesetze der Volkswirtschaften hinweg. Es bezeichnet vor allem die Freiheit, in einem anderen Land leben und arbeiten zu dürfen.

Schwellenland: Der BpB zufolge die Bezeichnung für eine Gruppe relativ fortgeschrittener Entwicklungsländer, die aufgrund ihrer hohen wirtschaftlichen Eigendynamik (hohe Wachstumsraten, besonders in der Industrie) beachtliche Industrialisierungsfortschritte erzielen konnten und in ihrem Entwicklungsstand gegenüber den Industriestaaten deutlich aufgeholt haben. Vielfach entsprechen soziale Indikatoren (z. B. Alphabetisierungsgrad und Lebenserwartung) und politische Entwicklung (demokratische Strukturen) nicht dem wirtschaftlichen Entwicklungsstand.

 

7. Wichtige Dokumente

Resolution A/RES/61/208 der Generalversammlung von 2007 zu internationaler Migration und Entwicklung: http://www.un.org/en/ga/search/view_doc.asp?symbol=A/RES/61/208&Lang=E (Englisch).

Resolution A/RES/68/228 der Generalversammlung von 2013 zur Entwicklung menschlicher Arbeitskräfte: http://www.un.org/en/ga/search/view_doc.asp?symbol=A/RES/68/228 (Englisch).

Entwurf des Globalen Paktes für eine sichere, geordnete und reguläre Migration 2018: https://www.un.org/depts/german/migration/A.CONF.231.3.pdf (Deutsch).

 

8. Quellen und weiterführende Links

United Nations, Sustainable Development Goal 8: https://sustainabledevelopment.un.org/sdg8 – Über das Nachhaltige Entwicklungsziel 8 “Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum” (Englisch).

Andrea Ancira García und Asiye Öztürk: Entwicklung durch “zirkuläre Migration”?, Bonn, 2009: https://www.die-gdi.de/die-aktuelle-kolumne/article/entwicklung-durch-zirkulaere-migration/ – Über Vor- und Nachteile zirkulärer Migration (Deutsch).

Sayed Asef Hossaini, Afghanische Diaspora und Brain Drain, 21.01.2013: https://m.bpb.de/internationales/asien/afghanistan-das-zweite-gesicht/153504/afghanische-diaspora-und-brain-drain – Talentflucht aus Afghanistan (Deutsch).

World Economic Forum, The Global Human Capital Report 2017, Genf, 2017: http://www3.weforum.org/docs/WEF_Global_Human_Capital_Report_2017.pdf – Bericht des Weltwirtschaftsforums zu Humankapital (Englisch.)

Lilli Sippel, Von Brain Drain zu Brain Circulation, Berlin, 2009: https:// www.berlin-institut.org/online-handbuchdemografie/entwicklungspolitik/von-brain-drain-zu-brain-circulation.html – Ausführungen zu Talentflucht und Talentzirkulation (Deutsch).

Margarita Langthaler, Braindrain und seine Auswirkungen auf Entwicklungsländer, Wien, 2008: https://www.oefse.at/fileadmin/content/Downloads/Publikationen/Workingpaper/WP20_Braindrain.pdf – Arbeitspapier zu Talentflucht der Österreichischen Forschungsstiftung für internationale Entwicklung (Deutsch).

Michael A. Clemens, Losing Our Minds? New Research Directions on Skilled Migration and Development, Washington, 2015: https://www.cgdev.org/sites/default/files/clemens-losing-our-minds-CGD-working-paper-415.pdf – Arbeitspapier zu Migration und Entwicklung des Zentrums für globale Entwicklung (Englisch).

Kathleen Newland, Circular Migration and Human Development, 2009: http://hdr.undp.org/sites/default/files/hdrp_2009_42.pdf – Arbeitspapier des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) zu zirkulärer Migration und menschlicher Entwicklung (Englisch).

Kathleen Newland, Migration, Development and Global Governance: From Crisis toward Consolidation, 2019: https://www.migrationpolicy.org/research/migration-development-global-governance-crisis-consolidation – Ausarbeitung des Zusammenhangs von Migration und Entwicklung (Englisch).

NHS Employers, Code of Practice for international recruitment, 07.12.18: https://www.nhsemployers.org/your-workforce/recruit/employer-led-recruitment/international-recruitment/uk-code-of-practice-for-international-recruitment – Anwerbungsrichtlinien für internationale Angestellte des National Health Service England (Englisch). 

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