forum Bedeutung von Schlüsseltechnologien für die Bekämpfung des Klimawandels

Einführung in das Thema

Hinweis: Hier gibt es das Handbuch zum Gremium

1. Einleitung

Stahl und Beton, die ohne CO₂-Emissionen hergestellt werden können? Algorithmen, die eine genauere Vorhersage der Folgen des Klimawandels ermöglichen? Gentechnisch veränderte Pflanzen, die mehr CO₂ absorbieren können? Dies sind nur drei Beispiele dafür, wie Schlüsseltechnologien beim Kampf gegen den Klimawandel hilfreich sein können.

Schlüsseltechnologien (auch Zukunftstechnologien genannt) sind technologische Neuerungen, welche die Wirtschaftsstruktur – und damit einhergehend auch Umwelt und Gesellschaft – grundlegend und nachhaltig beeinflussen. Obwohl es keine einheitliche Definition von Schlüsseltechnologien gibt, werden oft Computertechnologien (Big Data, Künstliche Intelligenz), Energietechnologien, Biotechnologien (Gentechnik), Nanotechnologie oder neue Werkstoffe als Beispiele genannt. Aber auch Weiterbildung und Aufklärung in energieeffizienten Verhaltensweisen spielen als “weiche Klimatechnologien” eine wichtige Rolle. Der Beitrag dieser Technologien zur Bekämpfung des Klimawandels lässt sich im Wesentlichen in drei Punkten zusammenfassen:

Erstens ermöglicht der Einsatz von Schlüsseltechnologien wie Big Data und Künstliche Intelligenz (KI)  in der Forschung ein besseres Verständnis des Klimasystems. Dadurch können die weiteren Anstrengungen zur Begrenzung des Klimawandels (Mitigation) und zur Anpassung an dessen Folgen (Adaptation) effizienter gestaltet und abgestimmt werden.

Zweitens können Schlüsseltechnologien dabei helfen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren (Mitigation). In der Energiewirtschaft zum Beispiel ermöglichte die Forschung an den physikalischen Grundlagen und speziellen Materialien die Entwicklung hocheffizienter Photovoltaikanlagen, die gegenüber konventionellen Technologien enorme CO₂-Einsparungen versprechen.

Und drittens können Technologien uns dabei unterstützen, uns besser an den Klimawandel anzupassen (Adaption), zum Beispiel durch CO₂-Speicherung oder dürreresistente Pflanzen in der Landwirtschaft.

 

2. Hintergrund und Grundsätzliches

Die Bedeutung von Schlüsseltechnologien im Kampf gegen den Klimawandel ist unumstritten. Schon in der Klimarahmenkonvention (Englisch: UN Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) von 1992, die den Grundstein für die internationalen Anstrengungen zum Klimaschutz legte, konstatierten die 197 Vertragsstaaten, dass die Entwicklung und der Transfer von Technologien unabdingbar seien, um die Ziele der Konvention zu erreichen. Diese Feststellung wurde seitdem in den Abschlusserklärungen der jährlich stattfindenden Vertragsstaatenkonferenzen (Englisch: Conferences of the Parties, COP) immer wieder bekräftigt.

Schlüsseltechnologien in Industriestaaten
In Klimaabkommen wie dem Kyoto-Protokoll (1997) und dem Pariser Übereinkommen (2015) haben sich fast alle Mitgliedstaaten der UN verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen zu begrenzen bzw. zu senken, um die verheerendsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern. In Industriestaaten mit einem hohen Wohlstand sind diese Ziele nur durch eine Transformation der Wirtschaft zu erreichen, wenn das Wirtschaftswachstum beibehalten werden soll. Das ist zudem eine zwingende Voraussetzung für die öffentliche Akzeptanz einer klimafreundlichen Politik. Dies gilt im Besonderen, wenn die Politik präventive Maßnahmen ergreifen will und nicht erst reagiert, wenn der Klimawandel unmittelbare und unumkehrbare Auswirkungen zeigt.

Diese “grüne” Transformation wächst auf dem Boden neuer Technologien, die die wirtschaftliche Produktivität bewahren und gleichzeitig die klimaschädlichen Emissionen senken. Strategien für eine solche Transformation behandeln im Wesentlichen zwei Fragen: Erstens: Wie kann die Entwicklung klimafreundlicher Schlüsseltechnologien gefördert werden? Und zweitens: Wie kann die Verbreitung dieser Technologien erleichtert werden?
Viele Staaten wählen hierzu marktwirtschaftliche Instrumente. So können Abgaben auf Umweltverschmutzung und Treibhausgasemissionen erhoben werden (Carbon Pricing), um finanzielle Anreize für umweltfreundliches Handeln und die Forschung an emissionsarmen Technologien zu schaffen. Bestimmte Technologien können außerdem staatlich subventioniert werden, um weniger profitable, aber dafür umweltfreundliche Entwicklungen auch wirtschaftlich attraktiv zu machen. Gegen höhere Abgaben leistet oft die konventionelle Wirtschaft als Großemittentin sowie verschiedene kleinere Interessensgruppen Widerstand, wie auch die Proteste der “Gelbwesten” in Frankreich zeigten.

Grundsätzlich befindet sich die Politik in einer Dilemmasituation: Einerseits sollte sie nicht durch spezifische Subventionen und Hilfen den Wettbewerb vorwegnehmen und bürokratisch entscheiden, welche Technologie am besten geeignet ist. Andererseits kann sie sich auch nicht völlig neutral gegenüber Technologien verhalten, solange nicht die wahren Folgekosten für die Gesellschaft etwa durch Umweltzerstörung von den Emittent*innen mit eingepreist werden.

Neben direkten finanziellen Anreizen für klimafreundliche Innovationen müssen Regierungen außerdem sicherstellen, dass technologische Innovationen nicht nur in Profit versprechenden Bereichen stattfinden, während weniger profitable, aber dringende Problemfelder unbeachtet bleiben. Eine Möglichkeit besteht darin, diese Forschung auch in öffentlicher Hand durch ausreichende Mittel stärker zu fördern. Zur Nutzbarmachung der Forschungsergebnisse können Kooperationen zwischen Forschung und Wirtschaft zielführend sein.

Diese Transformation, wenngleich dringend notwendig, liegt jedoch hauptsächlich im Ermessen der einzelnen Staaten, sodass sich die KWT vor allem auf die zwischenstaatliche Kooperation fokussieren sollte.

(Kaum) Schlüsseltechnologien in Entwicklungsländern
Schlüsseltechnologien sind nicht nur für Industriestaaten eine große Chance. Gerade in wachsenden Entwicklungsländern bergen sie ein enormes Potenzial zur Einsparung zukünftiger CO₂-Emissionen sowie allgemein zur Verwirklichung der Ziele für Nachhaltige Entwicklung (Englisch: Sustainable Development Goals, SDGs). Wie stark die Auswirkungen des Klimawandels sein werden, hängt auch maßgeblich davon ab, ob es gelingt, das Wachstum im globalen Süden nachhaltig zu gestalten. In dieser Einschätzung stimmen Forschung und Politik überein. Zwar sind die Industriestaaten für einen erheblichen und extrem überproportionalen Anteil an den Treibhausgasemissionen in der Vergangenheit und Gegenwart verantwortlich. Diese Tatsache erkennt auch der Großteil der UN-Mitglieder (mit Ausnahme u.a. der USA) im Kyoto-Protokoll an. Ein wichtiger Faktor bei der Umweltverträglichkeit einer Wirtschaft ist allerdings auch das Bevölkerungswachstum. Da dieses in vielen weniger entwickelten Staaten besonders hoch ist, kommt diesen Staaten, vor allem in Sub-Sahara Afrika, eine große Bedeutung bei der Bekämpfung des Klimawandels zu. Aus diesem Grund fordert schon die Klimarahmenkonvention 1992:

“The developed country Parties (...) shall take all practicable steps to promote, facilitate and finance, as appropriate, the transfer of, or access to, environmentally sound technologies and know-how to other Parties, particularly developing country Parties, to enable them to implement the provisions of the Convention” (UNFCCC, Art. 4, Abs. 5)

Bemerkenswert ist hier die Feststellung, dass das Erreichen der Klimaziele seitens der weniger entwickelten Länder maßgeblich davon abhängt, ob die Industriestaaten ihren Zusagen zu Finanzierung und Technologietransfer nachkommen.

Schlüsseltechnologien haben in wenig entwickelten Ländern ein großes Potenzial. Dort können technologische Neuerungen von Beginn an in die Planung der Infrastruktur einbezogen und die Wirtschaft somit bereits klimafreundlich aufgebaut werden. Um diese Entwicklung flächendeckend zu ermöglichen, können die Regierungen und die Zivilgesellschaft in weniger entwickelten Staaten allerdings nicht alleine gelassen werden. Sowohl die Entwicklung als auch die Anschaffung und der Einsatz von (Schlüssel-) Technologien sind im Allgemeinen mit hohen Kosten verbunden. Dafür fehlen in wenig entwickelten Märkten meistens das notwendige Kapital, die staatlichen Strukturen für Investitionen und Rechtssicherheit und das Wissen ausgebildeter Fachkräfte. Vor allem aus diesen Gründen sind solche Technologien bisher vor allem in Industriestaaten verbreitet. Um dieses Ungleichgewicht zu vermindern, ist ein breiter Technologietransfer notwendig.

Technologietransfer

Der Begriff “Technologietransfer” bezeichnet nach Definition des Gabler-Wirtschaftslexikons “den privatwirtschaftlichen oder staatlich unterstützten Prozess der Verbreitung von Technologie im Sinne ihrer wirtschaftlichen Nutzbarmachung für Dritte”. Weitergegeben werden können gütergebundene (z.B. einsatzbereite Solarpaneele) und personengebundene  Technologien (z.B. qualifiziertes Fortbildungs- und Beratungspersonal) sowie immaterielle Güter wie Lizenzen, Patente und Wissen. Der Technologietransfer spielt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklungshilfe, weil unterstützte Staaten dadurch von der Unterstützung unabhängig werden und Ziele selbst verwirklichen können. Daran sind Akteure aus der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Politik und der Zivilgesellschaft in Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern beteiligt: Ein Großteil des Transfers von Technologien findet innerhalb multinationaler Unternehmen (etwa zwischen Mutter- und Tochterunternehmen) statt, die oft wiederum auf die Erkenntnisse von Forschungseinrichtungen zurückgreifen, die nicht selten aus öffentlicher Hand finanziert werden.

Der Technologietransfer zwischen Industrie- und Entwicklungsländern ist besonders wichtig, denn aufgrund von Kapitalmangel, fehlendem Wissen etc. ist es letzteren in der Regel nicht möglich, selbst neue Technologien zu entwickeln oder aus dem Ausland einzukaufen. Erschwert wird die Teilhabe dieser Staaten an neuer Technologie zudem durch internationales Patentrecht, namentlich das TRIPS-Abkommen (Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums, engl. Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights) der WTO (Welthandelsorganisation, engl. World Trade Organization) von 1995. Die dabei verabschiedeten Regeln führten nach Ansicht von Kritiker*innen dazu, dass wenige kapitalstarke Akteur*innen (u.a. USA, EU, Japan) und multinationale Unternehmen von Monopolen profitieren, während die meisten anderen Staaten – und insbesondere die Bevölkerungen ärmerer Regionen – unter dem erschwerten Zugang zu Technologien wie Saatgut und Medizin leiden. Die Ernährungsorganisation FAO der UN (Englisch: Food and Agriculture Organization) etwa stellte in einem Bericht von 2003 fest, dass "die Sachdienlichkeit des TRIPS-Abkommens für große Teile der sich entwickelnden Welt höchst fraglich ist" und sprach sich dafür aus, neue Grundsätze für den Umgang mit geistigem Eigentum zu verhandeln.

Hier treffen also die Interessen zweier Gruppen aufeinander: Auf der einen Seite sollen Innovationsanreize geschaffen werden, indem Forschungsinvestitionen von Technologiekonzernen durch einen profitablen Vertrieb belohnt werden sollen; auf der anderen Seite steht das Ziel einer effizienten und fairen Ressourcenverteilung durch einen ungehinderten Transfer von Wissen in weniger entwickelte Staaten. Angesichts der dramatischen Bedrohung des Klimawandels ist es inakzeptabel, wenn einzelne Staaten oder Unternehmen Schlüsseltechnologien horten und zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil nicht mit anderen Akteur*innen teilen. 

 

3. Aktuelles

Technologiemechanismus
Mit dem erklärten Ziel, “die Entwicklung und den Transfer von klimafreundlichen Technologien zu verbessern und beschleunigen”, haben die Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention 2010 in Cancún, Mexiko, den Technologiemechanismus (Englisch: Technology Mechanism, TM) geschaffen und zusätzlich 2015 im Pariser Übereinkommen verankert. Dieser besteht aus zwei zusammenarbeitenden Organen: Dem Exekutivkomitee (Englisch: Technology Executive Committee, TEC), das Strategien im Umgang mit klimafreundlichen Schlüsseltechnologien ausarbeitet (Englisch: policy arm), und dem Zentrum und Netzwerk für Klimatechnologie (Englisch: Climate Technology Centre & Network, CTC-N). Das CTC-N ist für die technische Umsetzung der vom TEC erarbeiteten Strategien zuständig (Englisch: implementation arm). Es hat im Wesentlichen drei Grundaufgaben:

  1. Technische Hilfe leisten: Dazu gehören die Einschätzung des Bedarfs von Technologien und Strategien zur wirksamen Implementierung “maßgeschneidert” für das jeweilige Projekt sowie die Ausbildung von Kräften vor Ort.
  2. Den Wissensaustausch fördern und als Informationsplattform dienen.
  3. Kooperationen zwischen “Klimatechnologie Stakeholdern” fördern und vermitteln.

Finanzmechanismus

Zwar stellt der Technologiemechanismus keine direkte finanzielle Unterstützung bereit, aber dafür können Staaten die Unterstützung verschiedener Fonds in Anspruch nehmen, die den Finanzmechanismus der UNFCCC bilden.

Seit 1991 hat die Global Environment Facility (GEF) mit Sitz in Washington, D.C. 18,1 Mrd. US-Dollar für 4500 Projekte in 170 Staaten sowie 94,2 Mrd. US-Dollar an Kofinanzierung aktiviert. Ihr Mandat beschränkt sich auf die Finanzierung von Umweltschutzprojekten in Entwicklungsländern und arbeitet zur Umsetzung diverser Umweltabkommen mit der Weltbank, dem UNEP und dem UNDP zusammen.

Seit der COP20/2010 in Cancún gibt es zusätzlich den Green Climate Fund (GCF), der nach Bestimmung des Pariser Übereinkommens (COP21/2015) als Hauptinstrument des Finanzmechanismus dienen soll. Auf der COP15/2009 einigten sich die entwickelten Staaten formell auf das Ziel, durch den GCF ab 2020 jährlich 100 Mrd. US-Dollar zu mobilisieren. Wie viel von dieser beachtlichen Summe tatsächlich zur Verfügung gestellt werden wird, ist jedoch offen. Der GCF hofft explizit auch auf die finanzielle Unterstützung durch die Privatwirtschaft und beabsichtigt, diese auch bei der Umsetzung eng mit einzubeziehen. Mit Stand Januar 2019 verfügt der GCF über 10,3 Mrd. US-Dollar zur Unterstützung regionaler und lokaler Projekte.

 

4. Probleme und Lösungsansätze

Forschung und Entwicklung
Die Forschung an Klimatechnologien wird durch öffentliche und private Akteur*innen vorangetrieben. Besonders bei letzteren gilt es zu beachten, dass auch in Feldern geforscht wird, die weniger profitabel, aber dafür von großer Relevanz für die Bevölkerung sind. Grundsätzlich liegt die Herausforderung darin, geeignete Rahmenbedingungen für die Forschung und Entwicklung von Klimatechnologien zu schaffen und sie strukturell und finanziell zu unterstützen. Besonders begrüßenswert wäre es, wenn solche Forschung auch vermehrt in Entwicklungs- und Schwellenländern stattfinden würde.

Technologietransfer
Der Transfer von Klimatechnologien wird u.a. durch das globale Wohlstandsgefälle, einen Mangel an Infrastruktur und Wissen und Regelungen zum Schutz geistigen Eigentums erschwert. Da diese ungleiche Verteilung von Technologien einem effektiven Handeln gegen den Klimawandel entgegensteht, haben die Staaten den Technologiemechanismus geschaffen, um diesen Transfer zu erleichtern. Allerdings profitieren davon bisher noch verhältnismäßig wenige Staaten und Projekte, sodass große Auswirkungen bislang ausgeblieben sind.

Finanzierung
Die Finanzierung des Technologiemechanismus und der Projekte bestimmter UN-Organisationen wie dem UNEP und dem UNDP steht chronisch auf einer unsicheren Basis. So werden die bereitgestellten Spenden für den GEF seitens der Staaten alle vier Jahre neu verhandelt und oft steuern Regierungen ihre Gelder lieber durch eigene Organisationen (z.B. für die USA: USAID) oder ziehen es von anderen Entwicklungsprogrammen ab, sodass die Summe an verfügbaren Mitteln gleich bleibt. Hinzu kommt, dass der Großteil der Investitionen in Klimatechnologien durch den Privatsektor stattfindet. Somit besteht auch beim Finanzierungsmechanismus noch Verbesserungsbedarf.

Geistiges Eigentum
Abschließend ist es lohnenswert, zu überlegen, inwiefern das derzeitige internationale System zum Umgang mit geistigem Eigentum zu den Problemen beim Zugang zu Klimatechnologien beiträgt. Eine Reform des TRIPS-Abkommens, wie es vielen ärmeren Staaten, NGOs und UN-Organisationen vorschwebt, ist ein interessanter Ansatzpunkt, allerdings nur wenig realistisch, da die Interessengruppen, die hinter dem derzeitigen Handelssystem stehen, einen großen Einfluss ausüben.

 

5. Punkte zur Diskussion

Welche Maßnahmen können die UN und die KWT ergreifen, um Innovationen auf dem Gebiet der Klimatechnologien und deren Anwendung zu fördern?

Wie können die Staaten sicherstellen, dass auch in Gebieten geforscht wird, die wenig profitabel, aber von hoher Relevanz im Kampf gegen den Klimawandel sind?

Wie kann die Kooperation zwischen den Staaten verbessert werden, sodass ein breiterer Technologietransfer stattfindet? Welche sind die Hürden, die diesem zur Zeit im Weg stehen?

Ist der Technologiemechanismus die richtige Antwort auf die Herausforderungen eines beschleunigten Klimawandels? Wie kann er ggf. verbessert oder ersetzt werden?

Wie kann die Finanzierung des Finanzmechanismus, insb. der GEF und des GCF, sichergestellt werden?

 

6. Lexikon

Adaptation: Unter Adaptation werden Strategien zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels zusammengefasst.

Big Data: zu Deutsch ungefähr “Massendaten”, bezeichnet eine Reihe von digitalen Technologien, die der Sammlung und Auswertung großer Datenmengen dienen.

CO₂-Emissionen: (oder allg. Treibhausgasemissionen) sind chemische Stoffe, meist Gase oder Aerosole, die in der Atmosphäre die Wärmestrahlung zurück auf die Erdoberfläche reflektieren und dadurch zur Erderwärmung beitragen. Kohlenstoffdioxid (CO₂) ist das wichtigste, aber bei weitem nicht das einzige Treibhausgas.

GCF (Green Climate Fund): 2010 von den 197 Vertragsstaaten der UNFCCC geschaffen, ist der GCF eine tragende Säule des Finanzmechanismus der UNFCCC zur Klimafinanzierung. 

GEF (Globale Umweltfazilität, Englisch: Global Environment Facility): Internationaler Mechanismus zur Finanzierung von Umweltschutzprojekten in Entwicklungsländern. Zur Umsetzung der Projekte bedient sich die GEF der Weltbank, dem UNDP und dem UNEP. 

Geistiges Eigentum (Englisch: Intellectual Property): Immaterielle Güter wie z.B. Patente, Geschäftsgeheimnisse, Urheberrechte und Lizenzen.

Globaler Süden (globaler Norden): Eine von der Weltbank eingeführte Definition, die versucht, eine wertfreie Einteilung von benachteiligten und privilegierten Staaten vorzunehmen. Den Ländern des Globalen Südens werden dabei die Entwicklungs- und Schwellenländer, dem Globalen Norden die Industriestaaten zugeordnet.

Mitigation: Unter Mitigation werden Strategien zusammengefasst, die die Ursachen des Klimawandels bekämpfen, zum Beispiel die Reduzierung klimaschädlicher Emissionen.

Multinationale Unternehmen: meist englisch multinational corporations (MNCs) sind Unternehmen, die in mehreren Staaten Unternehmensteile besitzen und beispielsweise die Produktion aus Kostengründen in einen anderen Staat ausgelagert haben, als der, in dem der Vertrieb stattfindet. 

Stakeholder (Deutsch: Teilhaber*in): Person, Gruppe oder Institution, die an einem Prozess oder einer Entscheidung beteiligt ist oder von dessen Ausgang beeinflusst wird. Beispiele in der internationalen Politik sind NGOs, Regierungen, Stiftungen und Fonds, aber auch kleine regionale Interessengruppen.

Technologietransfer: Die Weitergabe von technischem Wissen von der Entwicklung bis zur Anwendung im Produktionsprozess in Form von gütergebundenen Technologien, sowie in Form von freien Technologien, wie Lizenzen, Patente und Weitergabe von Wissen.

UNEP: United Nations Environment Programme. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen wurde 1972 in Nairobi gegründet und beherbergt den Technologiemechanismus. Zusammen mit der Weltorganisation für Meteorologie hat das UNEP den Weltklimarat IPCC geschaffen, der jährlich den wissenschaftlichen Stand zum Klimawandel zusammenträgt. 

UNDP: Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (Englisch: United Nations Development Programme) wurde 1965 gegründet und konzentriert sich auf die Förderung der so genannten "Least Developed Countries", also der am wenigsten entwickelten Länder. Das Budget des UNDP, das jährlich ca. 62 Mrd. US-Dollar umfasst, wird vollständig aus freiwilligen Beiträgen der UN-Mitgliedsstaaten finanziert. 

Werkstoffe: Stehen am Anfang der Produktionskette und bestimmen die Eigenschaften des Produkts entscheidend mit. Beispiele für neue Werkstoffe sind etwa Kohle- und Glasfasern oder spezielle Halbleiter zur Herstellung von Computerchips.

 

7. Wichtige Dokumente

TRIPS-Abkommen (Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums, Englisch Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights): Im 1995 in Kraft getretenen Abkommen werden Mindestanforderungen an nationale Gesetzgebungen formuliert, wie technische Patente, Geschäftsgeheimnisse u.Ä. von den Vertragsstaaten zu schützen sind. Maßgeblich vorangetrieben wurde das TRIPS-Abkommen von einer Lobbying-Gruppe aus 13 amerikanischen Konzernen der Hochtechnologie, dem International Property Committee (IPC), gegründet von Pfizer und IBM. Das TRIPS-Abkommen steht heute im Brennpunkt der Kritik vieler Entwicklungsländer, NGOs und Wissenschaftler*innen. Zum einen waren und sind Entwicklungsländer stark unterrepräsentiert in der WTO, die der Durchsetzung und Verhandlung der Handelsregeln dient. So waren von den 106 Entwicklungsländern, die Mitglied in der WTO sind, waren nur 20 in der Verhandlung des TRIPS-Abkommens eingebunden. Anders als andere internationale Vereinbarungen besitzt das TRIPS-Abkommen außerdem einen mächtigen Durchsetzungsmechanismus. Gegen Staaten, deren Rechtssystem nicht WTO-konform gestaltet sind, konnten durch die WTO bereits Handelssanktionen verhängt werden. 
Deutsche Übersetzung von Attac:
http://www.attac.de/fileadmin/user_upload/AGs/AG_WTO_Welthandel/gats/trips-abkommen%201994.pdf.

UNFCCC (Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen, Englisch: UN Framework Convention on Climate Change): Internationales Umweltabkommen (Klimarahmenkonvention) vom 9. Mai 1992. Das Sekretariat organisiert UN Climate Change Conferences bzw. COPs (Conferences of the Parties, Vertragsstaatenkonferenzen) mit allen 197 Vertragsstaaten. Homepage des Sekretariats: https://unfccc.int/.

Kyoto-Protokoll: 1997 beschlossenes Zusatzprotokoll zur Klimarahmenkonvention UNFCCC mit 192 Mitgliedern (alle UN-Mitglieder außer Kanada, USA, Südsudan und Andorra), das erstmals völkerrechtlich verbindliche Ziele für den Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern festlegt. Deutsche Übersetzung des Abkommens: https://unfccc.int/resource/docs/convkp/kpger.pdf.

Übereinkommen von Cancún: 2010 in Kraft getretenes Klimaabkommen im Rahmen des UNFCCC, in dem der Technologiemechanismus (TM) geschaffen wurde und der GCF als zentrales Instrument des TM festgelegt wurde. Kurze Einführung mit weiterführenden Links: https://unfccc.int/process/conferences/the-big-picture/milestones/the-cancun-agreements.

Pariser Übereinkommen: 2015 in Kraft getretenes Klimaabkommen der 197 Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention UNFCCC mit dem expliziten Ziel, die menschengemachte globale Erwärmung auf 2°C zu begrenzen. https://unfccc.int/process-and-meetings/the-paris-agreement/the-paris-agreement.

 

8. Quellen und weiterführende Links

UNFCCC: “Technology and the UNFCCC”, Bonn, 2016. https://unfccc.int/ttclear/misc_/StaticFiles/gnwoerk_static/NAD_EBG/54b3b39e25b84f96aeada52180215ade/b8ce50e79b574690886602169f4f479b.pdf – Guter Überblick über den Technologieprozess unter der Klimarahmenkonvention UNFCCC (Englisch).

UNFCCC: “What are United Nations Climate Change Conferences?”, 2019. https://unfccc.int/process/conferences/what-are-united-nations-climate-change-conferences – Kurzer Überblick über die UN-Klimakonferenzen und den UNFCCC-Prozess (Englisch).

Winfried Hoffmann u.a.: “Spannungsfeld von Technologietransfer und Schutz geistigen  Eigentums” Berlin, 2009. http://www.fvee.de/fileadmin/publikationen/Themenhefte/th2009/th2009_06_05.pdf – Analyse der Rahmenbedingungen und Hindernisse von Technologietransfer (Deutsch).

Global Climate Fund: “How we work: Resource mobilization”, April 2019.  https://www.greenclimate.fund/how-we-work/resource-mobilization – GCF Finanzierung (nach Staat aufgeschlüsselt) (Englisch).

Open Rights Group Wiki: “Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights”, 2013. https://wiki.openrightsgroup.org/wiki/Trade-Related_Aspects_of_Intellectual_Property_Rights – Hintergrund und Einordnung zum TRIPS-Abkommen. (Englisch).

Sanjay Kumar: "Green Climate Fund faces slew of criticism", 2015. https://nature.com/news/green-climate-fund-faces-slew-of-criticism-1.18815 – Kritische Auseinandersetzung mit dem GCF (Englisch).

Liane Schalatek (Heinrich-Böll-Stiftung): “Klimafinanzierung: In den Startlöchern”, 2015. https://www.dandc.eu/de/article/der-green-climate-fund-will-noch-vor-der-klimakonferenz-paris-im-dezember-voll – Analyse und kritische Auseinandersetzung mit dem GCF (Deutsch).

Fischer et al.: “How Should Support for Climate-Friendly Technologies Be Designed?” US National Library of Medicine, National Institutes of Health, 2018. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3357883/ – Weiterführende Studie zu klimafreundlicher Technologiepolitik (vor allem innerstaatlich) (Englisch).

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